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Anne und Beate begrüßen dich als Leser/in und wünschen dir einen wunderschönen Tag

Samstag, 22. Oktober 2011

Vorbereitung von Pasasana - wie geht's genau?

Anne
Liebe Beate, kannst du noch ein bisschen genauer erklären, wie Pasasana durch diese Asanas vorbereitet wird?

Beate
... it might be necessary to switch over to English as i was told, that many of our readers speak better English than German, what do you think? I hope that our English vocabulary is adequate to our subject - it's mainly Sanskrit vocabulary anyway!

Let me first write down the performers of the beautiful postures in our last post before we continue with more information concerningthe first posture of the 2nd series.

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Welche Asanas der 1. Serie bereiten Pasasana vor?

Anne
Das sieht wirklich klasse bei Ursula aus und man kann die Schritte gut nachvollziehen. Du hattest gesagt, du wolltest Bilder einstellen, die zeigen, welche Asanas der 1. Serie zur Vorbereitung besonders wichtig sind. Gibts schon welche?

Beate
...also deine Selbsttherapie für dein Knie im Interesse aller ashtangis war äusserst erfolgreich, finde ich ;-):-). Und hier die Übungen aus der 1. Serie für die 2. Serie:
Beate Guttandin in prasarita padottanasana to lenthen the ischiocrural muscles...
...bending forward over uddiyana-bandha
...giving an adjustment to Lisa to lengthen the calfmuscles
Sarasvati Rangasvami, Pattabhi Jois' daughter, adjusting Jürgen in paschimottanasana to lenthen his backleg muscles further and strengthen the muscles of the back to straighten the torso...
...and pushing down a little in maricyasana A (the tradition doesn't require more forwardbending in this position) to give his lower back the opportunitiy to train its natural rounding capabilitiy over uddiyana bandha....







Mittwoch, 28. September 2011

Wie nehme ich pāśāsana Schritt-für-Schritt ein?

Beate
...und hier ist eine wunderbare Fotostrecke von letzter Woche, als Ursula Weiser das derzeitige Topāsana in der Schritt-für-Schritt Methode einnimmt. Am Schluss muss man nur noch festhalten, bis es irgendwann von alleine hält...

...nächste Woche sorgen wir für die Darstellung der nötigen āsana-s aus der 1. Serie, die unbedingt in einer befriedigenden Güteklasse vorhanden sein müssen, um pāśāsana einnehmen zu können...









Montag, 26. September 2011

Ein Individuum ist bereit zu lernen, wenn es persönlich betroffen ist

Beate
Wie kommt es, dass dein linkes Knie schmerzt, und zuvor Achillessehne und unterer Rücken wehtaten?

Anne
Ja, Beate, das ist ja jetzt ein ganz übler Trick, dass ich die Antwort selber geben soll. Mit dem Fragenstellen fühle ich mich wirklich wohler :-)) Aber ich versuchs mal mit meinen Worten und in der Hoffnung, dass das Ganze auch andere Leute interessiert, weil es ja letztlich nicht um mein Knie geht, sondern, so denke ich jedenfalls, um eine Art von Einbruch, den viele nach einiger Zeit hoffnungsvoller Fortschritte erleben.

Also, wie kommt es? Ich denke, weil man die Kompexität dessen unterschätzt, was man beim Yoga macht. Für Leute, die von sich aus ziemlich beweglich sind, ist es zum Beispiel sehr einfach, zu übersehen, dass sie zwar von Anfang an relativ viele Asanas irgendwie hinbiegen können, dass ihnen aber die stabile Basis dafür fehlt. Um etwas aufzugreifen, was du mir letztens gesagt hast: Wenn man an der Peripherie des Körpers viel einrichten kann, vergisst man leicht, dass das Zentrum entscheidend ist. Man vergisst die Körpermitte. Man vernachlässigt die Bandhas, die Rückenmuskeln und die Schultern. Und in der Folge dann auch die korrekte Ausrichtung der Gelenke.
Heißt unterm Strich: Welcome back bei den Sonnengrüßen :-)

Ich schaue jetzt noch mal die alten Posts durch,  um die Stellen zu identifizieren, wo für Leute wie mich vermutlich schon alles Relevante gesagt wurde. Ergebnis in den nächsten Tagen ...

Und hier meine Ergebnisse. Eigentlich nicht verwunderlich, aber in fast allen Posts, die sich mit der 1. Serie befassen, finde ich hilfreiche Hinweise, um zum Beispiel mein Knie besser zu verstehen. Hier für alle, die es auch nochmal nachlesen wollen, die einschlägigen Daten mit Stichworten, worum es da geht:

14.2.2010: Schritt-für-Schritt!
28.3.2010: Nicht durchbrettern!
24.4.2010: Ujjayi, bhandas, drishti
5.5.2010: Leistungsgedanken zurückstellen!
16.6.2010: Schritt für Schritt!
Juli bis November 2010: Emotionale Belastungen und die therapeutische Wirkung der 1. Serie
Januar 2011: Die sechs wichtigsten Asanas der 1. Serie (die man braucht, um eine gefestigte Basis zu haben)



Mittwoch, 21. September 2011

Seitenfragen: Fortschritt, Rückschritt und mein linkes Knie

Anne
Eigentlich wollte ich jetzt natürlich weiterfragen zur 2. Serie. Aber aus aktuellem Anlass interessiert mich ganz was anderes. Also folgende wahre Geschichte: Ich übe ja  jetzt schon eine ganze Weile die 1. Serie. Das macht mir superviel Spaß, ich fühle mich besser und oft auch konzentrierter als früher. Ich habe also das Gefühl, dass ich mir damit was Gutes tue. Geht bestimmt vielen so. Aber immer wieder habe ich mal solche Rückschläge: Derzeit tut mir oft das linke Knie weh (davor war es mal eine Weile der untere Rücken und davor eine Weile die eine Achillessehne). Und jetzt die Fragen: Mache ich was falsch? Ist das normal? Was kann ich besser machen?

Beate
...also erstmal vielen Dank für dein Outing. Es passt sehr gut an diese Stelle, denn in der 2. Serie bemerkt man schnell, was gar nicht geht. Pāśāsana wäre jetzt noch längst nicht zu Ende geklärt...hier ist zumindest das Foto von dir, das wir letzte Woche zusammen hingebogen haben: nicht einfach, zu zweit auch noch zu fotografieren J
Deine Frage ist natürlich sehr relevant. Möglicherweise kannst du sie jedoch selbst beantworten, wenn du unseren Blog noch einmal von Anfang an liest. Es müsste alles drin stehen. Ich stelle dir die Frage als nächsten Post zurück...

Mittwoch, 14. September 2011

Was verbindet und was unterscheidet Asanas der 1. und 2. Serie?

Anne
Ich habs ja jetzt im Unterricht nochmal gemacht (jedenfalls mein Bestes gegeben) und gelesen, was du geschrieben hast. Kommt mir ein bisschen vor wie eine schwierigere Variante von Marichyasana D. Ist das auch bei den anderen Asanas der 2. Serie so, dass sie nicht ganz anders, sondern eher fortgeschrittene Versionen von Asanas der 1. Serie sind?

Beate
Nicht nur sind die āsana-s in ein vinyāsa-krama (Schritt-für Schritt Methode) eingebettet, wie im letzten Post beschrieben, sondern auch die kleinen Schritte zur Einnahme eines āsana müssen verstanden werden. Meist zerren wir an den Körperteilen, die gerade bei uns individuell am leichtesten zu bewegen sind. Doch finden wir mit der traditionellen Methode die Gelenke und Muskeln, die wir tatsächlich benötigen. Wir könnten also, wenn nach einigem wilden Ausprobieren der wünschende Geist befriedigt ist, dem vinyāsa-krama folgen...
Ansonsten hast du wieder vollkommen Recht: die 2. Serie fußt auf der 1. Serie und hebt deren āsana-s auf ein neues Level...

Mittwoch, 7. September 2011

Wie funktioniert das?

Anne
Ich hab es versucht, Beate, aber es sieht nicht annähernd dem ähnlich, was ich auf dem Foto erkenne. Geschweige denn, dass ich verstehen würde, wie es "funktioniert". Hast du Lust ein bisschen zu erklären, worauf es bei diesem Asana ankommt?

Beate
...doch, na klar. Hier sind erst einmal 3 Fotos von Carmen Dröge in pāśāsana, die Jürgen heute morgen während der Praxis aufgenommen hat.    



Und nun folgen die Vinyasa-s
pāśāsana hat 14 vinyāsa-s:
 
  1 einatmen im Stand die Hände über dem Kopf zusammenbringen
  2 ausatmen uttānāsana
  3 einatmen Druck auf die Hände und Kopf anheben
  4 ausatmen caturāṅga dandāsana
  5 einatmen ūrdhvamukhaśvānāsana
  6 ausatmen adhomukhaśvānāsana
  7 einatmen - zwischen die Hände mit parallel gesetzten Füßen in die Hocke springen, zum linken Bein drehen und, wie in der Drehbewegung aus maricyāsana C aus der 1. Serie, die rechte Achselhöhle hinter dem Knie auf den linken Oberschenkel legen, die Schulter eindrehen und den abgelegten Arm um beide Schienbeine wickeln, bis die Hand das Handgelenk des von hinten sich gegendrehenden Arms ergreifen kann. Das Gewicht gut vorn auf der Fußmitte halten, den Oberkörper durch Streckung der Brustwirbelsäule diagonal nach vorn und oben ziehen, dabei die Lendenwirbelsäule locker lassen und die Sitzhöcker an den Waden halten. Den Kopf nach hinten drehen (pārśva dṛṣṭi)
Nach 5 Atemzügen aus dem āsana herausdrehen und
  8 einatmen – pāśāsana auf der rechten Seite einnehmen
nach 5 Atemzügen aus dem āsana herausdrehen, die Hände auf dem Boden abstützen und
  9 einatmen – in den gehockten Handstand drücken
10 ausatmen caturāṅga dandāsana
11 einatmen ūrdhvamukhaśvānāsana
12 ausatmen adhomukhaśvānāsana
13 einatmen zum Stehen springen
14 ausatmen uttānāsana
Danach den Kopf heben, ein- und ausatmen, und ohne die Arme über den Kopf zu führen: sāmasthiti

Mittwoch, 31. August 2011

Gleich mal ausprobieren?

Anne
Verstehe. Jetzt werden sicher viele Leute, zum Beispiel ich, die sich irgendwo mitten in der ersten Serie rechtschaffen abstrampeln, neugierieg sein und anhand des Fotos gleich mal ausprobieren, ob sie dieses Asana hinkriegen. Vermutlich nicht so die allerbeste Idee, oder?

Beate
...doch, warum nicht - gegen Ausprobieren ist nichts einzuwenden. Die Neugier muss befriedigt werden, sonst wird man am Ende miesepetrig. Nach dem Ausprobieren kann man wieder ganz beruhigt sein Programm der 1. Serie üben und verbessern. Es ist ja auch gut möglich, dass man manches āsana der 2. Serie nicht vielleicht ebenfalls leicht einnehmen könnte. Ich denke, du bist prädestiniert für paśāsana mit deinen langen Ansätzen der unteren Wadenmuskulatur, einem leicht rundbaren LWS-Bereich und den flexiblen Schultern. Das heißt jedoch oft nicht, dass man die Übungen der 1. Serie gut kann oder sich weiter damit beschäftigen sollte, um anderen Bereiche seines Körpers zunächst weiter gesundheitsfördernd zu stärken und optimal auszurichten.

Mittwoch, 17. August 2011

Übergang in die 2. Serie

Anne
Wie muss man sich den Übergang zur 2. Serie eigentlich praktisch vorstellen? Ist es so, dass man weiterhin mit den Sonnengrüßen und Standpositionen beginnt? Und wie geht es dann weiter?

Beate 
Wenn man ganz traditionell nach Pattabhi Jois üben möchte, geht es so: wer nach Guruji’s Kriterien die 1. Serie passend beherrschte, bekam ein āsana der 2. Serie mit dem dazugehörigen vinyāsa zum Übungsprogramm angehängt, bis man schließlich etwa die Hälfte der 2. Serie zusätzlich zur ersten als tägliches Übungsprogramm etabliert hatte. Danach wurden die Serien gesplittet.
Und jetzt geht es so weiter, wie du schon vermutet hast: Zuerst alle Sonnengrüße, dann die 6 wichtigsten Positionen des Ashtangayoga: pādaṅguṣṭhāsana bis parśvottanāsana und dann geht’s los mit dem vinyāsakrama der 2. Serie.
Das wöchentliche Trainingsprogramm sieht dann so aus:
-         1. Tag 1. Serie
-         2. – 5. Tag 2. Serie, an die immer mal wieder ein weiteres āsana und vinyāsa entsprechend dem Fortschritt der Übenden angehängt wird
-         6. Tag 1. Serie.
Und hier kommt schon das erste āsana der 2. Serie, das wir an die 1. Serie anhängen: paśāsana, ein āsana, das uns Westlern oft erhebliche Schwierigkeiten bereitet, weil die Fersen von beiden Füßen dabei auf dem Boden stehen sollen.  
Da wir jedoch nicht gewohnt sind, den ganzen Tag von Kindesbeinen an im „bequemen“ Fersensitz auf dem Boden entspannt auszuruhen, gibt es eine Menge Stellen an unserem Körper, die bei dieser Übung nicht sofort mitmachen möchten. Leider fiel auch jede „Unterlegscheibe“ unter die Fersen, die paśāsana erleichtern sollen, wie z. B. ein kleines zusammengefaltetes Handtuch, regelmäßig durch PJ’s freundlich gegrummeltes „put that thing away“, als Hilfsmittel flach.

Sonntag, 1. Mai 2011

Die zweite Serie - warum eigentlich?

Anne
Liebe Beate, wenn ich mir alle deine Antworten bis hierhin ansehe und die Fotos betrachte, dann ist mein Eindruck: Eigentlich könnte man sein ganzes Leben mit der 1. Serie verbringen, hätte genug zu tun und würde auch immer noch weiter lernen. Warum gibt es eigentlich überhaupt eine zweite Serie? Und wie fängt man damit an?

Beate
:)))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))
Diese Frage toppt noch alle deine andern scharfsinnigen Nachhaker: Ja, genau, man kann bequem sein ganzes Leben mit der 1. Serie verbringen, ohne sich im Geringsten zu langweilen oder zu unterfordern. Im Gegenteil: die 2. und die 3. Serie regen unseren unruhigen Geist an, möglichst schnell "weiterkommen" zu wollen und das Wichtigste, nämlich die zufriedene Grundhaltung, immer wieder zu vernachlässigen.

Deshalb ist es manchmal ganz gut, in die 2. Serie einzusteigen, wenn die 1. noch nicht ganz optimal geübt ist, weil wir dann doch wenigstens unsere innere Unruhe befriedigen können. Danach kann man für eine längere Periode des Übens wieder zurück zur ersten Serie schwenken, um dort die Grundlagen nachzuarbeiten. In der ashtanga yogawerkstatt ist dieser Prozess gerade in etwa abgeschlossen: Bis letztes Jahr hatten wir noch eine durchgeführte 2. Serie mit erheblicher Teilnehmerzahl. Alle haben sich inzwischen wieder mit der 1. Serie begnügt, um dieses und jenes individuell nachzuarbeiten. Man hat es sich nämlich durch den Beweis "sinnliche Wahrnehmung" aus Sutra I,7 selbst bewiesen, dass es hier und da nötig sein könnte. Die beiden unklaren Tätigkeitsmöglichkeiten unseres Bewusstseins Missverständnis I,8 und falsche Vorstellung I,9 wurden durch die eigene konkrete Praxis in klare Erkenntnis umgewandelt

Die Nacharbeit ist auch mit erhöhtem Verständnis durchaus positiv gelungen. Deshalb können wir uns jetzt gemeinsam wieder an die 2. Serie machen. Wahrscheinlich werden wir ab Oktober für die entsprechende Gruppe wieder eine spezielle Session vorbereiten.

Warum gibt es nun überhaupt noch eine 2. und 3. Serie, wenn die darin eingeführten Übungen doch meist nur fortgeschrittene Weiterführungen der Basisserie sind? Nun, es geht in der 2. Serie um die Reinigung der Nerven und in der 3. Serie um maximale Stabilität von Körper, Nervenkostüm und Geist. Da hast du es.

Sonntag, 30. Januar 2011

Die wichtigsten Asanas der ersten Serie zum Anschauen

Anne
Du hattest von den sechs wichtigsten Asanas der ersten Serie gesprochen. Wie sehen denn die anderen aus?

Beate
1. padangushthasana und
2. padahastasana sind die beiden ersten der 6 wichtigsten asana-s. Dann folgen
3. trikonasana ...
Nina Habrich
Senay Funk
Senay Funk

             

4 . parshvakonasana...
Carmen Dröge
Senay Funk


Nina Habrich
Senay Funk
 

5. prasarita padottanasana...
  
Kristiane Saß
Nina Habrich

Nina Habrich

Senay Funk
 
 6. parshvottanasana...
Carmen Dröge
Nina Habrich
Kristiane Saß
Jedes Individuum führt die asanas ein wenig unterschiedlich aus und darf dies in Frieden tun. Die Grundidee muss enthalten sein, um ein Fortschreiten zu ermöglichen.
Was benötigen wir von diese 6 asana-s für die 2. Serie?
Diese 6 sogenannten wichtigsten asana-s der 1. Serie sind so wichtig, dass sie neben den Sonnengrüßen auch vor der 2. und 3. Serie zum Warm-up geübt werden. Sie richten den Körper aus und bereiten die Grundlage für alle Folgeübungen durch...
- volle Aufdehnung der ischiocruralen Muskulatur
- volle Stärkung der Rückenstrecker
- Vorbereitung der BWS aus maximale Drehung
- Aufarbeitung der Schultermanschette
- Ausrichtung der vollen Breite des Schultergürtels
- Etablierung von mula- und uddiyanabandha
- Festigung der Muskulatur der HWS
- Ausrichtung der Arme zur Schulter
- Förderung der vollen Brustatmung in komplexen Positionen
- Ausrichtung und Stärkung der Füße
- Ausrichtung und Stärkung von Knie- und Hüftgelenksmuskulatur
- Stärkung der Beinmuskulatur
- Augentraining
- Ausrichtung der LWS und ihre Stärkung und Schonung durch Bauchmuskulatur
uswuswuswuswusw

Mittwoch, 19. Januar 2011

padangushthasana

Anne
Wir haben vor ja Kurzem während des Unterrichts eine Fotosession gemacht. Ich denke, einige sind neugierig, was dabei herausgekommen ist. Was hältst du davon, ein bisschen was zu zeigen, wie die wichtigsten Asanas aussehen können und sollen?

Beate
Ja, genau. Lass' uns jetzt noch ein paar Fotos der zentralen asana-s und vinyasa-s vorstellen, wie sie für die 2. Serie Voraussetzung sind und je nach Individuum aussehen können. Ich denke, es ist wichtig, die asana-s im Verlauf der Praxis aufzunehmen, damit klar ist, dass dieses asana immer so eingenommen werden kann und nicht besonders geschönt ist. Die Praxis soll stabil und angenehm sein.
Und hier sind padangushthasana und padahastasana von...
Kristiane Saß
Tatjana Cicho

Senay Funk
Carmen Dröge
...alle im November 2010 während einer Session aufgenommen, während der alle wie immer ihr Bestes gaben und verhaftungsfrei das Ergebnis akzeptierten, um in der nächsten Session mit freiem Kopf neu zu üben.

Was sollte beachtet werden?
Die bandhas, die geschützte LWS, die aufgerichtete BWS, der breite Schultergürtel, die Gewichtsverteilung auf dem Fuß und die Ausrichtung der Hüftgelenke über den Knien und Sprunggelenken, Lockerheit der Hüftgelenke in der Nullstellung zwischen Aus- und Einrotation und Aktivierung der Quadrizepsmuskulatur.
Wir benötigen die gute Ausführung dieses Asana-s für die Dehnung der ischiocruralen Muskulatur, der Stärkung der Rückenstrecker, der Ausrichtung der Gelenke zueinander und der Platzierung des Schultergürtels. Es sind das 1. und 2. asana der 6 wichtigsten Positionen des Ashtanga Yoga.

Sobald asana-s aus der 2. Serie hinzukommen, können wir darauf verweisen, welche Positionen durch die asana-s der 1. Serie speziell vorbereitet werden.

Mittwoch, 3. November 2010

Bereit für die zweite Serie

Anne
Ich bin sehr gespannt, weil ich den Eindruck habe: Jetzt sind wir an der Schwelle zur 2. Serie. Aber vielleicht könntest du noch einmal zusammenfassen: Wann ist jemand bereit dafür?

Beate
Die 2. Serie kann angegangen werden, wenn die asana-s und vinyasa-s der 1. Serie ihre gesundheitsfördernde Aufgabe erfüllt haben, und die Übenden keine Alltagsschäden mehr mit sich tragen. Dazu zählen auch Krankheitsbilder wie Bandscheibenvorfälle, Knie- und Hüftge-lenksprobleme oder Nacken- und Schulterbeschwerden, die sich alle durch das vinyasa-krama der 1. Serie auflösen.
Dabei müssen die Positionen so eingenommen werden, dass sie zum korrekten asana führen. Variationen, die den Sinn des asana nicht mehr an den Körper übermitteln können, sollten nicht geübt werden. Sie zerren an den falschen Stellen und lassen eine Information des asanas an den Körper und vom Körper an den Geist des Übenden nicht zu.
Der Aufbau der Serie muss in Absprache mit den Lehrenden geschehen, die angeben, wann ein weiteres Asana entsprechend dem Individuum zugefügt werden kann. Es ist nicht gestattet, nach eigenem Gutdünken die Serie aufzubauen, oder alle Positionen mehr oder weniger gut einfach zu praktizieren.
Die Positionen müssen eine nach der anderen nach korrekt gemeistert worden sein. Die Psyche sollte keinen größeren Schwankungen unterliegen. Die 1. Serie muss einen auf bandhas, ujjayi und drishti konzentrierten recht schnellen Flow aufweisen und dadurch den entspannenden Effekt für den Geist erzielen. Während der 1. Serie sollte der Geist des Übenden in vollkommenenr Konzentration verbleiben können. Die verhaftungslose, meditative Praxis ist dann Ashtanga Yoga. Entspannung ergibt sich durch ein Verbleiben im jeweiligen Moment, in der Gegenwart. Dies ist die einzige Möglichkeit für den Menschen, sein Leben stressfrei zu meistern.
vyutthāna-nirodha-saṃskārayor-abhibhava-prādurbhāvau nirodha-kṣaṇa-cittānvayo nirodha-pariṇāmaḥ

Patanjali 3,9 Die Umwandlung des zerstreuten Geistes in Phasen der Leere individueller Gedankentätigkeit geschieht dann, wenn sich das Bewusstsein mit einer Phase der Leere verbindet und sich zwischen dem Kreisen der individuellen Gedanken für die Leere entscheidet.
3,10 tasya praśānta-vāhitā saṃskārāt
Daraus entsteht ein positiver Eindruck der Stille und das fließen von Gemütsruhe.

Sonntag, 24. Oktober 2010

Geistige Vorraussetzungen

Anne
Ich vermute, damit nähern wir uns dann allmählich auch der 2. Serie, oder?

Beate
Ja. Wenn wir nun unseren Körper von den individuell im Verlauf unseres Lebens erworbenen Alltagsschäden befreit haben und uns während der Praxis ausschließlich auf Atem, bandha-s und drishti konzentrieren können, haben wir auch die geistigen und psychischen Grundlagen für die 2. Serie geschaffen: Freiheit vom eigenen Wollen, absichtsloses Handeln, tätig sein, ohne sich an die Ergebnisse zu verhaften und Ausschließlichkeit in der Wahrnehmung unsres Körpers, Geistes und der Psyche von einem externen Seherstandpunkt aus.
Die therapeutische Arbeit der 1. Serie ist beendet. Die 2. Serie kann nun durch simples vinyasa krama, des Schritt-für-Schritt Aufbaus, gleichmütig gestaltet werden.
Wir leiden nicht mehr: der Körper geht mit uns, der Geist ist von Verhaftung gelöst, die Zeugenhaltung wird in der ashtangayoga Praxis und im Alltag eingenommen. Dies alles konnten wir durch richtige Praxis und richtige Haltung zur Praxis der 1. Serie etablieren, indem wir uns von unsrer Involviertheit in uns selbst gelöst und dadurch eine Rückführung zum absichtslosen Bewusstsein eingeleitet haben. Dazu können wir einige sutrani aus Patanjali Kapitel 2 anführen:
2,2 - samādhibhāvanārthaḥ kleśatanūkaraṇārthaśca
Yoga dient dem Herbeiführen von Versenkung samādhi und der Schwächung der Leiden kleśa-s
2,3 - avidyāsmitārāgadveṣābhiniveśāḥ kleśāḥ
Unwissenheit, Verhaftung an die minütlich wechselnden Grundstimmungen, Leidenschaft, Hass und das Verkrallen in den individuellen wunschbesetzten Lebensweg sind die Leiden kleśa-s
2,4 - avidyā kṣetramuttareṣāṃ prasuptatanuvicchinnodārāṇām
Aus dem Basisleiden Unwissenheit entstehen die übrigen vier Leiden
2,5 - anityāśuciduḥkhānātmasu nityaśucisukhātmakhyātiravidyā
Unwissenheit avidyā (kann genau definiert werden): wir lassen uns von den Grundstimmungen (tätig, träge und die Mittellage von beiden)leiten. Unser Wesen besteht nach Patanajli jedoch aus reiner Wahrnehmung.
2,10 - te pratiprasavaheyāḥ sūkṣmāḥ
Die Leiden werden durch Auflösung von Unwissenheit mithilfe von Rückführung auf das absichtslose Bewusstsein aufgelöst.

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Emotionale Voraussetzungen 3 - Verhaftungslosigkeit

Anne
Ich habe den Eindruck, am Ende läuft alles auf diese, mir noch immer irgendwie geheimnisvolle Verhaftungslosigkeit heraus. Oder?

Beate
Genau - und nun das Ergebnis der Verhaftungslosigkeit im Üben: Denn es gibt eins, da man keins wollte: Wir sind schließlich in der Lage, auf ujjayi-Atmung, drishti und bandha konzentriert ohne einen weiteren persönlichen Gedanken die gesamte 1. Serie durchzuführen. - Ja, das ist ein Erlebnis und eine Meditation in Bewegung. Zum Verrücktwerden, wenn es nicht so positiv real wäre.
Dazu können wir uns dem sutra 1,15 zuwenden: Die Gleichgültigkeit (vairāgya) des Übenden, der von Verlangen nach anderen Objekten als dem Objekt der Meditation frei ist, nennt man auch Bezwingung oder Faszination von diesem einen Objekt (vaśīkāra)

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Emotionale Voraussetzungen 2

Anne
Die psychischen Überforderungen, die du in deiner letzten Antwort beschrieben hast, die hat wohl jeder schon erfahren, der Yoga übt. Und dann ... merkt man, dass es gut tut, wenn man sich nicht beirren lässt und im richtigen Tempo weiterübt. Aber komisch ist das irgendwie schon. Was geschieht dabei eigentlich?

Beate
Während nun mit individuell angemessenem Programm und individuell angemessenem Tempo die 1. Serie aufgebaut und geübt wird, geschehen erstaunliche Dinge. Neben den interessanten Infos, die der Körper sich selbst zur Einnahme der asana-s und vinyasa-s mitteilt, sortiert sich unsere Psyche gemütlich vor sich hin, ganz im Sinn des ashtangayoga von Patanjali.
Man könnte fast meinen, unsere Seele sei ein Aktenschrank: vom psychischen Messi geht es zu wenigen sortierten Aktenordnern hin, wo die Gefühle fein säuberlich benennbar, erkennbar und greifbar sind. Eine sehr angenehme Lebensweise.
Wenn wir zu schnell in der Körperarbeit voranschreiten, kann diese automatische Entwicklung nicht gut Schritt halten. Unsere Gefühle stürzen eher übereinander in ihrem Bemühen, sich zu sortieren. Auch deshalb ist es viel angenehmer, ashtangayoga in Ruhe und Geduld anzugehen.
4,8 Genau die psychischen Vorstellungen (vāsanās) manifestieren sich, die dem Reifen unserer zuvor absichtsvoll ausgeführten Handlungen und der Reaktion auf sie entsprechen.
4,9 Die psychischen Bewegungen sind von Geburt, Ort und Zeit getrennt. Dennoch haben sie einen Zusammenhang mit früheren absichtsvollen Aktionen, weil der Eindruck, der durch unsere Handlungen in unsrer Psyche entstanden ist, genau der Erinnerung entspricht, aus dem später die psychische Bewegung erwächst.
4,10 Und außerdem haben die Bewegungen unsrer Psyche nicht einmal einen Beginn, denn im Menschsein ist durch die Grundeigenschaften der gesamten Schöpfung Wunsch und Absicht des Handelns in jedem Wesen angelegt.

Freitag, 2. Juli 2010

Emotionale Vorraussetzungen 1

Anne
In deiner letzten Antwort hast du über den philosophischen Kontext der Körperarbeit gesprochen. Die Voraussetzungen, so verstehe ich das. Und ich vermute, dass auch die Konsequenzen, die das Üben hat, sich nicht darin erschöpfen, dass man beweglicher wird oder kräfiger. Könntest du dazu auch etwas sagen?

Beate
Nur vermeintlich ist ashtangayoga reine Körperarbeit. Ungeheuer viel geht im emotionalen Bereich ab. In unsrer Psyche und unserem individuell davon geprägten Verstand, sind alte Muster gespeichert, die schematisch reproduziert werden und uns nicht immer Gutes tun. Die ashtanga Körperarbeit fördert die psychischen Eindrücke an die Oberfläche, die wir durch absichtsvolles Handeln, seine Resultate und unsre persönlichen Erinnerungsmechanismen dazu in früheren und im jetzigen Leben selbst geschaffen haben. Patanjala sutra 4,7-9. - Aus den Tiefen ihres Verstecks blitzen sie schneller hervor, als sie es freiwillig wagen würden, aufzutauchen. Nicht immer sind die Übenden gewohnt, sich mit so viel verworrenem Ballast positiv auseinanderzusetzen.

Emotionale Überforderung kann sich durch verschiede Zeichen manifestieren:
Sorgen;
Erstarrung der Muskulatur und Unwilligkeit des psychisch geprägten Verstands, sich von einer aufkommenden Problematik zu lösen;
Zweifel an der Praxis und am Yogaweg;
Unachtsamkeit in der Ausführung der Übungen und der Bewältigung alltäglicher Aufgaben, weil sich der Geist mit zuviel Psyche befassen will oder muss;
Trägheit in der Praxis und im Alltag, Tendenz zu Alltagsdrogen wie vermehrte und gesundheitsschädliche Nahrungsaufnahme, vermehrte Wachmachgetränke und Zigaretten- oder Alkoholkonsum;
Unlust zu Bewegung von Körper und Geist;
auf der anderen Seite Maßlosigkeit in der Praxis, wenn sie dann mal klappt oder auch in der zu schnellen Reduzierung der Alltagsdrogen;
Involviertheit in das Leben,
was man möchte, kann man nicht erlangen,
und große Unbeständigkeit in Übungspraxis und den regelmäßigen Angelengenheiten des Alltags.Patanjala sutra 2,30
Kummer, Depression, zu viel Vata im Körper und ungleichmäßige Atmung können diese Zeichen begleiten.Patanjala sutra 2,31

Wieder ist es besonders wichtig, nicht zu schnell in der Körperarbeit voranzugehen oder sie selbst voranzutreiben, womöglich schneller, als die ausgebildet Lehrenden dies als passend erachten. Durchaus wäre es sinnvoll, zwei bis drei Jahre auch aus diesen Gründen in surya namaskara und den Standpositionen zu verweilen, und nur Schritt für Schritt ein kleines Paket an die regelmäßige Praxis anzuhängen. Auch dieses neue Päckchen sollte wiederum für längere Zeit gehalten werden, bevor Neues hinzukommt. Jedes neue asana und vinyasa weist der Psyche neue Gesundungspläne zu, deren Bewegungen sich durch die Zeit von selbst ausgleichen können, wenn sie sich nicht durch eine zu druckintensive Praxis in ihrem benötigten Zeitrahmen unter Stress gesetzt fühlen.
Wenn wir gemütlich unseren individuell passendes Tempo wählen, bemerken wir nur sehr wenig von all den großen Sortierungsmaßnahmen, die in unsrer Psyche losgetreten werden:
- Trennung aller vermischter Emotionen und Ordnung in klare emotionale Ausdrucksmöglichkeiten, die einfach zu benennen sind.
- Entledigung alter individueller Muster
- Schärfung der Wahrnehmungsfähigkeit unsrer Gefühle
- Entwicklung positiver Gefühlsstrukturen
- Löschen von verworrenen Mustern, die Klarheit behindern

Dies alles kann möglicherweise als diverse belastende Situationen und Perioden wahrgenommen werden. Die ashtangayoga Praxis muss deshalb nicht verlassen werden: je öfter mit einem dem Individuum angemessenen Programm pro Woche trainiert wird, desto müheloser verflüchtigen sich störende Muster und alte emotionale Belastungen. Manchmal mögen die Lehrenden mit den Übenden zusammen erkennen, dass ein Programm zu schnell zu groß geworden ist. Warum sollte man das individuelle Programm in Absprache untereinander nicht für einige Wochen oder Monate ein wenig verringern, um die positive Umstrukturierung der eigenne emotionalen Welt easygoing mit einem Schmunzeln begleiten zu können?

Donnerstag, 17. Juni 2010

Ashtangayoga und Patanjali

Anne
Ich vermute, das, was wir als Körperarbeit optimalerweise Schritt für Schritt und mit Geduld üben, steht nicht für sich, sondern ist in einem bestimmten Denken begründet. Könntest du darüber etwas sagen?

Beate
Die Yogasutrani des Philosophen Patanjali (9. Jh. vuZ nach Kofi Busia)werden nach dem sutra 29 aus Kapitel 2, das acht (ashta) Mittel oder Glieder (anga) der Erkenntnisgewinnung aufzeigt, von alters her auch ashtangayoga-sutrani genannt.
Nun befanden die Wiederentdecker und Erneuerer des ashtangayoga- Körpersystems, Krsnamacarya und Pattabhi Jois, dass diese rasante Körperarbeit genau das System sein müsse, welches das 3. Glied der Philosophie des Patanjali, verkürzt "asana" bezeichnet, ausmache: dieses und kein Andres der im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch üblichen und teils nur rudimentär vorhandenen Yoga- Körperarbeitssysteme.
Von der anderen Seite betrachtet, erschien es ihnen ebenfalls unabdingbar, dass die ashtangayoga genannte Philosophie des Patanjali diese Basis aller Körperarbeitssysteme umrahmen, unterstützen und begleiten müsse. Für beide war klar: Wer ashtangayoga Körperarbeit übt, muss sich in die ashtangayoga Philosophie einbetten und sich ihren Anweisungen (1,1 "Nun folgt die Anweisung des Yoga")mit großem Vertrauen (1,20 "Für die anderen vorhergehend: Glaube, Tapferkeit, Tradition der Schriften und Einsicht der Versenkung") hingeben. Dann kommt starke Gesundheit und geistige Klarheit in großer Fülle.
Klar, dass wir zu jedem Post, der sich mit Körperarbeit beschäftigt, ein Philosophie-sutra einfügen müssen.

Mittwoch, 16. Juni 2010

vinyasa-krama: Schritt-für-Schritt

Anne
Ich hatte mir überlegt, dass die Überschrift Geduld am besten zu deiner letzten Antwort passt. Geduld beim Üben scheint mir eine der wichtigsten Einstellungen, die man braucht, stimmt das?

Beate
Nichts ist für den Aufbau der 1. Serie so wichtig, wie die traditionelle gesundheitsfördernde und Gesundheit erhaltende Schritt-für-Schritt Methode der vinyasa-s.  Jedes asana hat im System des ashtangayoga eine Bewegungsfolge, vinyasa genannt. Die Reihenfolge der asna-s folgt ebenfalls einem sinnvollen Aufbau. Jedes Folgeasana baut auf dem vorhergehenden auf, Jedes vorgehende asana bereitet das unmittelbar Folgende und alle weiteren Folgenden vor. Deshalb ist es von so großer Wichtigkeit für unsere Gesundheit und die Therapie der Alltagsschäden, dass wir kein asana und kein vinyasa auslassen, sondern eines nach dem anderen gut lernen auszuführen und seinen Sinn zu verstehen. Die Sonnengrußvariationen A und B werden von den 6 wichtigsten asana-s des ahstangayoga ergänzt, die direkt anschließen: padangushtasana bis parshvottanasana. Dieses Programm bereitet uns auf alles vor, was folgt, ja sogar auf die 2. Serie, auch wenn deren Folge erst sehr viel später praktiziert wird. Das sutra 14 der Patanjala Yoga-sutrani weist auf die Kriterien für den Schritt-für-Schritt Aufbau hin: eine Übungspraxis, die lange Zeit, ohne Unterbrechung und mit bewillkommnender Haltung ausgeführt wird, begründet eine feste Basis.

Montag, 7. Juni 2010

Geduld

Anne: Aus deiner Antwort auf meine letzten Fragen, höre ich heraus, dass es noch ein wenig Geduld braucht, bis wir zur zweiten Serie kommen, oder?

Beate
Also ich würde sagen, dein Vorschlag ist super, langsam 'mal Richtung 2. Serie zu schleichen (im Sinn des oben Gesagten). Was hältst du davon, wenn du deine zweite Frage noch ein wenig zurückstellst - du schlugst ja auch vor, dass wir einige Fotos der asana-s und vinyasa-s der 1. Serie aufnehmen, die bestimmen, ob man zur 2. Serie übergehen kann. - Finde ich perfekt.


Hm, und dann wär's noch wichtig, zu den Voraussetzungen für die 2. Serie einen Post zu den psychischen Voraussetzungen zu verfassen. Ashtanga "macht" Einiges mit uns. Da muss sich alles gut geordnet haben, bevor man noch mehr Leistung ohne Leistungsdenken leisten kann.

Mittwoch, 5. Mai 2010

Verhaftungslosigkeit

Anne
Beate, jetzt bin ich ein bisschen in der Zwickmühle: Einerseits möchte ich nochmal nachhaken.Was ich faszinierend finde, ist nämlich dieser Begriff "Verhaftungslosigkeit". Vermutlich beschreibt er irgendwie das Gegenteil von "Ehrgeiz". Auf der anderen Seite kann ja auch nicht gemeint sein, dass man sich nicht anstrengt oder nicht engagiert, wenn man Yoga macht. Könntest du darüber noch etwas mehr sagen? Was genau ist gemeint?
Okay, auf der anderen Seite möchte ich jetzt aber auch mehr über die zweite Serie wissen. Ich würde zuerst mal gerne wissen, was den größten Unterschied von Serie 1 zu Serie 2 ausmacht? Du hast da schon Andeutungen gemacht. Aber was genau ändert sich? Und da ich mich nicht entscheiden kann, welche Fragen ich weglasse, kommen hier schon wieder mehrere auf einmal. Was eigentlich nicht die reine Lehre für gute Interviews ist ... aber egal.

Beate
ashtangayoga ist eine Disziplin, die unseren psychisch konditionierten Verstand aufs Äusserste attackiert. Besonders in den westlichen Ländern kann man kaum seine Leistungsorientiertheit zügeln, wenn man 'mal Leistungsmöglichkeiten gerochen hat. Da spielt es keine Rolle, ob man etwas in diesem Moment zu leisten imstande ist, oder womöglich gar nicht.
Unsere Übungspraxis bietet jedoch direkt vom Sonnengruß angefangen die Ehrgeizfalle an. Um ashtangayoga für das ganze Leben zu erhalten, und wie gesagt, auch mit 80 oder 100 wäre eine entsprechende Praxis durchführbar, müssen wir, zumindest nach einer Weile, unsere Alltagsschäden ausbügeln: Knieprobleme,  Beinverschraubungen, BWS, LWS, Schulter, etc. - Wir können nicht über auftretende Beschwerden, die wir uns im Alltag der Haltungsfehler und Muskelschwächungen selbst erarbeitet haben, hinwegbrettern. Dann müssen wir sehr bald aufhören, dieses wunderbare System für uns zu nutzen.
So bleibt die Konzentration auf die regelmäßige Übung in Kombination mit absoluter Gelassenheit dem Ergebnis gegenüber. Das wäre dann wohl verhaftungslos. Wir leiten Ungeheures, indem wir jeden Leistungsgedanken zurückstellen. Verrückt, was?

Samstag, 24. April 2010

Richtiges Atmen und innere Haltung

Anne
Liebe Beate, damit sie mir nicht wieder verloren gehen, möchte ich heute gleich mehrere Fragen an dich los werden:
Erstens, das richtige Atmen. Ob erste oder zweite Serie, es spielt anscheinend eine ganz besondere Rolle. Warum ist es so wichtig? Wie übt man es?
Zweitens, die innere Haltung, so würde ich es mal nennen. Auch die spielt in deinen Antworten immer eine große Rolle. Um nur mal eine Formulierung von dir aufzugreifen: Wie kriegt man das "breite Verständnis für die regelmäßige und gelassene Übungspraxis". Einfach machen? Kommt es dann von selbst?

Beate
ach so, war mir gar nicht so klar, dass ich da so drauf 'rumgeritten bin - aber überrascht mich nicht. Es ist ja schon so, dass sehr viele Menschen, die ashtangayoga beginnen oder 'mal zuschauend ashtanga kennenlernen, erstmal vermuten, dass es um eine interessante Körperarbeit geht. Geht aber gar nicht drum. Geht um Energieakkumulation, Atmung und Konzentration. Tja.
Die ujjayi-Atmung begeleitet die gesamte Körperarbeit. Ujjayi bezeichnet den rauschenden Klang, wenn die Atemluft bei Ein-und Ausatmung an den Stimmbändern entlangstreicht. Die Stimmritze mag dabei etwas verengt sein - so streicht die Luft komprimierter an den vibrierenden Stimmbändern entlang, die ein bei manchen sehr lautes, bei andern ein etwas softeres Geräusch entstehen lassen.
Nun kommt jedoch ein weiterer Aspekt hinzu. In der westlichen Welt, soll heißen, USA und große Teile Europas, ist man in den späten 60er Jahren drauf gekommen, dass wir, zumindest so eine Mittel- und Oberschicht, ziemlich verklemmt waren, sexuell, emotional und verdauungstechnisch. Um den vielen Korsetten der Kleidung und des Alltags zu entkommen, und überhaupt 'mal wieder Luft zu kriegen, wurde vorgeschlagen, tief in den Bauch zu atmen. Man wollte wieder mehr, oder überhaupt etwas fühlen und nicht mehr so flach und kurz in den Brustkorb atmen müssen. Das war schon gut:: man bearbeitete seine Psyche und die Verdauung und wurde langsam wieder Mensch. Die Zeiten sind nun auch vorbei - ein paar Generationen und Erkenntnisse sind wir jetzt weiter, und wir können uns wieder der gesunden Atmung zuwenden, die für Menschen vorgesehen ist.
Der Bauch kann an seinen natürlichen Platz nach hinten rutschen. Das ist bitter nötig, denn durch das viele tiefe Bauchatmen entstanden massive Rückenprobleme, da unsre Mitte nicht mehr durch die Gegenmuskulatur auf der andern Seite gestützt wurde. Im ashtanga wird der Unterbauch sanft zurückgezogen und gehalten, das sogenannte Uddiyana bandha, und der Oberbauch darf sich bei der Atmung ebenfalls nicht nach vorn aufwölben, wenn wir nicht auf Dauer die Brustwirbelsäule durch eine Oberbauchschwäche schaden wollen.
Nun haben wir aber doch alle durch die Zeiten der "tiefen Bauchatmung" gelernt, dass wir zumindest auf jeden Fall tief atmen müssen. Dies tun wir, indem wir die Räume, hinter denen sich auch die Lunge auffalten kann, nutzen: vordere, seitliche und hintere Rippenbögen bis hinauf an den kurzen Schlüsselbeinmuskel. Dabei öffnen sich die Rippenbögen seitlich des Oberbauchs zur Seite bei der Einatmung und schließen sich aktiv dort bei der Ausatmung wieder zusammen. Schließlich ziehen wir noch den Afterschließmuskel ein wenig zusammen und leicht nach innen, das zweite bandha, oder Energieverschluss. Und schließlich richten wir bei jedem vinyasa und jedem asana den Blick auf einen jeweils definierten Punkt wie z.B. Nasenspitze oder Hand, der drishti, Blickpunkt, der uns zusammen mit ujjayi-Technik und bandhas zu einer die Meditation vorbereitenden konzentrierten Form des Sports leitet.
Man kann tatsächlich sagen, dass man nur ashtanga übt, wenn man ujjayi, bandha-s und drishti beachtet.

Also, Anne, ich weiß nicht, ob sich bei allen Menschen,  das "breite Verständnis für die regelmäßige und gelassene Übungspraxis" allein durch einfach machen von selbst entwickelt. Man könnte jeden Tag die wundervollsten Kleinigkeiten neuer Errungenschaften beobachten und sich an jedem asana und vinyasa erfreuen, wenn man  das Augenmerk nicht darauf richtet, wie hart man trainiert und wie "weit" man kommt, sondern eben auf ujjayi, bandha und drishti. Ich glaub', dann geht's. - Gibt aber halt auch Leute, die verzweifeln, weil sie nicht "weiter kommen". Ist zwar Blödsinn, weil man nicht gegen seinen Körper arbeiten darf, aber es ist wohl so im Menschen drin. Da ist es halt wichtig, dass man 'mal ein bisschen von der ashtanga-Philosophie mitkriegt. Die legt Wert auf regelmäßige Übung in Verbindung mit vollkommener Verhaftungslosigkeit (Patanjali 1,12) . Tja, einmal um 180° gegenphasig zum üblichen Menschendenken gedacht. Übel, das ist der Knackpunkt.
Ich fürchte, wenn man während der ashtanga-Praxis nicht in diesem Sinn verhaftungslos und deshalb positiv drauf ist, erschöpft man sich nach einer Weile. Das muss gar nicht sein, denn ashtanga belebt und energetisiert. So ist es gedacht. Schade, wenn wir was andres draus machen.

Sonntag, 11. April 2010

Pranayama-Voraussetzungen

Anne
Ich fand deine letzte Antwort super interessant. Daraus werden sich noch mehr Fragen ergeben. Ich vermute, wir müssen gelegentlich von U-Bahnfahrten auf Langstreckenflüge umsteigen. Aus deiner Antwort ergeben sich viele neue Fragen: Ich fange einfach mal am Ende deiner Ausführung an. Was bedeutet, dass man im Verlauf der 2. Serie mit der speziellen Struktur des ashtanga-pranayama beginnt?

Beate
also, es ist ja so, dass wir schon zu Beginn unsrer ashtanga-Erfahrungen lernen, wie man in den Brustkorb atmet, ohne den Bauch zu benutzen. Unter- und Oberbauch werden sanft Richtung Wirbelsäule gezogen und dort gehalten. Dies nennt sich uddiyana-bandha. Zudem ziehen wir den Afterschließmuskel ein wenig an, was wir mit mula-bandha bezeichnen.
Wir atmen während der gesamten Praxis im ujjayi-Ton ein und aus. - Soweit die Grundlage der 1. Serie.
Dies nennt sich jedoch noch keinesfalls pranayama, sondern vielleicht tiefe Ein- und Ausatmung mit bandha-s und ujjayi.
Pranayama beginnt dann erst, wenn wir Ein- und Ausatmungen durch längere Abschnitte von Nichtatmen trennen (patanjalah yoga-sutrani 2,49). Damit möchte man so extravagante Perspektiven wie "Vereinigung von prana und apana" (aufsteigende und absteigende Energie), Erweckung der Kundalini-Shakti (jedem Menschen eigenes Extra-Energie-Potential, das für die Seher-Qualität aktiviert werden kann) und Stärkung der allgemeingültigen Erkenntnisfähigkeit erreichen.
Im ashtangayoga-System gibt es dafür eine detailliert ausgearbeitete Struktur von Ein-, Aus- und Atemverhaltungen, die je nach Atem- und Atemverhaltungsdauer zwischen 30 und 45 Minuten beträgt, wenn man sie "abatmet".
Die Atemverhaltung wird mit dem Sanskritbegriff "kumbhaka" bezeichnet. Kumbhaka ist nur dann sinnvoll, wenn die bandha-s lange und korrekt gehalten werden können, die Grundatemtechnik des ujjayi automatisiert ist und Ein- und Ausatmung sehr lang (ca. 15 Sekunden oder länger ein und die gleiche Zeit aus) und voll geworden sind. Das Bindegewebe des Körpers mus stark und elastisch sein. Dies erwartet man von einem Übenden der zweiten Serie, wenn er nach dem Erlernen etwa der Hälfte des Programms von nadi shodana, dies ist der Name der 2. Serie, mit pranayama, der Atemverhaltung (kumbhaka) beginnt.

Sonntag, 28. März 2010

Wer kann es?

Anne
Wie wahrscheinlich ist es eigentlich, dass ein erwachsener Mensch es schafft, die erste Serie so zu beherrschen, dass er oder sie die zweite in Angriff nehmen kann? Wieviel und wie sollte man optimalerweise üben? Sollte man zum Beispiel Übungen, die man besonders schlecht kann (ich persönlich möchte hier nur mal Navasana, oder auch Bakasana ins Spiel bringen :-), gezielt besonders oft üben? Fragen über Fragen ...

Beate
Na ja, woraus besteht ein erwachsener Mensch? Aus Knochen unterschiedlicher Stärke, aus Bändern, die die Knochen zusammenhalten, aus Gelenken mit Knorpelmasse einer bestimmten Konsistenz, aus Muskeln und den Sehnen, die sie am Knochen festmachen, aus Bindegewebe, Nerven, die der Wirbelsäule entspringen, aus Adern und Venen, Fett und Haut. Und aus dem individuellen Verstand und Gefühlen. Dieses Gesamtpaket ist bei jedem Individuum ganz unterschiedlich zusammengesetzt. Im Idealfall sind die Knochen fest und stark, die Gelenke voll beweglich, die Knorpelmasse in idealer Konsistenz und vollständig, die Muskeln gleichmäßig funktionstüchtig in allen drei oder vier übereinanderliegenden Schichten trainiert, die Sehnen fest, aber von elastischer Struktur, das Bindegewebe haltbar und stützend. Die Nervenbahnen sind nirgends eingeklemmt und versorgen die Muskulatur optimal ohne Einschränkung, die Adern und Venen sind maximal durchlässig mit fester Außenstruktur, der Fettanteil ist gering, aber in der notwendigen Form existent, die Haut ist glatt und gut versorgt, die Körperflüssigkeiten haben die vorgesehene Zusammensetzung. Der Verstand geht über die individuelle Verwicklung in die eigene Persönlichkeit hinaus und ist in der Lage die Welt mit ihren Erscheinungen von außen wahrzunehmen. Die Emotionen sind sortiert und einzeln benennbar, weil sie wahrgenommen und kanalisiert sind. - Ja, das ist der Idealfall.
Nun gibt es kaum einen Menschen, der dieser "Norm" entspricht. Wie auch! Haben wir doch ein individuelles Leben und vielleicht auch viele frühere Leben, deren Auswirkungen wir nun am eigenen Körper nachzuspüren bekommen.
So ist es sinnvoll für viele Menschen, einige Jahre mit den Standpositionen zu verbringen, um alle Körperteile in ihrer Funktion wieder vollständig zueinander auszurichten, die Nerven dazu und alle kleinen und großen Schäden früherer Leben und der jetzigen Jahre auszugleichen.
Dies ist möglich: Arthrose, Hüftschäden, Skoliosen, Dysplacien, Wirbelsäulenuregelmäßigkeiten und auch alle anderen Probleme des Körpers lassen sich wieder zum Positiven hin verändern. Auch Verstand und Gefühl verändern sich zum Angenehmen durch die ashtanga-Praxis der 1. Serie.
Je nachdem, wie viele ganz unbewusste Stellen nun am individuellen Körper vorhanden sind, ob die Gelenke frei sind, ob die Muskeln gedehnt und kräftig sind usw, dauert die sinnvoll erarbeitete Praxis der 1. Serie zwischen 3 und 12 Jahren. Dann ist alles wieder "an Ort und Stelle" und Körper und Geist sind positiv und stabil.
Auch die Atmung muss in dieser Zeit lang und voll werden, die ujjayi-Atemtechnik muss automatisiert sein.
Ein ganz besonders wichtiges Element ist die ununterbrochene leichte Kontraktion der gesamten Bauchmuskulatur in Richtung Wirbelsäule, Ober- und Unterbauch, damit die Atmung ganz von den sich aufdehnenden Muskeln der Rippenbögen ausgeführt werden kann.
Und schließlich müssen die Augen stabilisiert werden. Dies geschieht durch den "drishti", den Blickpunkt in jedem asana oder vinyasa des ashtanga. Er muss fest und klar werden, um die Balance zu unterstützen.
Wenn nun also der ganze Mensch mitsamt seinem wahrnehmenden Verstand und seinen Gefühlen ganz stabil und groß und breit und selbstbewusst in sich ruht, kann die zweite Serie draufgesetzt werden.
Wie wahrscheinlich ist dies? Überaus wahrscheinlich. Die 1. Serie ist als "Therapie von Krankheiten" so konzipiert. jedes asana baut auf der Gesamtheit der vorherigen auf und bewirkt neue Einsichten für Körper und Geist. Deshalb ist es auch wenig sinnvoll, "durchzubrettern". Die 1. Serie muss langsam und sorgfältig auf das Individuum abgestimmt aufgebaut werden.
Dazu wäre es schon gut, ashtanga mehr als einmal pro Woche zu üben. Es ist aber auch nicht förderlich, direkt jeden Tag zu üben. Langsam und aufbauend kann man seine Übungspraxis von 2 Mal pro Woche auf viele Male steigern. Der Mensch ist halt darauf ausgerichtet, sich jeden Tag sehr stark zu bewegen. Da kann man nichts machen. So sind wir - immer noch wie früher, als wir noch Wildschweine jagten und Beeren und Wurzeln sammelten.
Es ist aber nicht nötig, asana-s oder vinyasa-s, die man nicht so gut kann, besonders viel zu üben. Besser bleibt es, langsam die asana-s so aufzubauen, dass man auf Übungen, die man kann, die nächste setzt. So ist "roga-chikitsa", die Therapie der Krankheiten, aufgebaut.
Schließlich ist es ja so, dass man die 2. Serie in dem Sinn nicht mehr viel übt, sondern sie kraft der Vorbereitung der 1. Serie kann - nur die neue Anstrengung und andere Muskelforderung bewirkt, dass sie langsam aufgebaut werden muss. Wenn wir jedoch fühlen, dass dies oder jenes nicht geht, oder dass wir stark erschöpft sind, fehlt ein Teil des guten Aufbaus der 1. Serie.
Wir müssen auch bedenken, dass wir im Verlauf der 2. Serie mit der speziellen Strutur des ashtanga-pranayama beginnen können. Und schon, um die 1. Serie gesundheitsfördernd üben zu können und zu wollen, müssen wir anhand der Philosophie der Yoga-sutrani von Patanjali ein breiteres Verständnis für die regelmäßige, gelassene Übungspraxis entwickeln.
Das waren, glaub ich, mindestens 3 U-Bahn Stationen.

Mittwoch, 24. März 2010

Voraussetzungen für die 2. Serie

Anne
Okay. Ich vermute, ich werde noch ein paar Stationen mit dir fahren, bevor ich alles über die zweite Serie weiß. Wenn ich also geduldig die erste Serie übe, woran merke ich denn, wann es Zeit ist, mit der zweiten zu beginnen?

Beate
auf die lange Reise mit dir freue ich mich - ja, also das ist ganz leicht zu merken, wann es sinnvoll ist, die 2. Serie zu beginnen:
zunächst definiert ashtanga die 6 wichtigsten Positionen: nach jeweils 5 x surya namaskara A und B folgen sie schon: padangusthasana, pada hastasana, trikonasana A und B, parsvakonasana A und B, prasarita padottanasana A-D und parsvottanasana.- Der Sonnengruß baut Kraft und Kondition auf, die 6 wichtigsten Positionen des ashtanga dehnen den gesamten Körper auf und geben ihm gleichzeitig Kraft.
Dann sollten die Sitzpositionen sehr gut ausgeführt werden können: kraftvoll und gedehnt, im Sinn von exzentrischer Msukelarbeit des ashtanga: während ein Muskelgekräftig wird, dehnt er sich gleichzeitig auf: eine der Spezialitäten der ashtanga Körperarbeit im Vergleich zu den meisten Sportarten, deren Bewegungen oder statische Halteübungen entweder dehnen oder kräftigen. Für diese Sitzpositionen muss die tiefe Rückenmuskulatur sehr stark gearbeitet werden. In diesem Abschnitt folgt auch ein vinyasa nach dem anderen, also der Zwischenpart von surya namaskara A, der jeweils die einzelnen Sitzpositionen durch eine kraftvoll/spritzige Bewegung verknüpft. Hier sollte es möglich sein, sich auf den Händen vom Boden abzuheben und mit Hilfe der Bauchmuskeln und der seitlichen Rumpfmuskeln und und und sich schwungvoll und kraftvoll durch die Arme in caturanga dandasana und von adho mukha svanasana wieder zurück zum Sitzen zu bewegen.
Schließlich merkt man, ob man für die 2. Serie bereit ist, dass navasana ein Leichtes geworden ist und die anschließenden Positionen, besonders supta kurmasana, garbha pindasana, baddha konasana und setu bandhasana mit Freude vollgültig ausgeführt werden können.
Schließlich müsste wohl der Bogen und die Abschlussequenz beschwerdefrei und freudvoll ausgeführt werden können.
Die 1. Serie sollte leicht und angenehm sein, das Bindegewebe kräftig und elastisch, der Körper stark und gedehnt, der Atem voll in Ein- und Ausatmung, die bandha-s fest und sicher.

Sonntag, 14. Februar 2010

roga-cikitsa: Therapie der Krankheiten

Anne
Könntest du vielleicht die schlichte Frage "Was ist eigentlich die 2. Serie?" 'mal in Angriff nehmen? Es ist klar, wenn du das umfassend beantwortest, dann wäre das der ganze Blog. Aber wenn du dir vorstellst, wir fahren zusammen in der U-Bahn, und ich steige an der nächsten Haltestelle aus, und dein Ziel ist, dass ich dann zu dir sage, "interessant, dazu hätte ich noch viele Fragen", dann kämen wir von der Textmenge ungefähr auf einen passenden Level für meine Wünsche.

Beate
hey, gut, dass du diese Eingangsfrage so straight limitiert hast. Ich wollte mir schon Urlaub nehmen. Wie lange ist die nächste Haltestelle entfernt? - Auf jeden Fall ist das eine Frage, für deren Beantwortung man sich nicht drängeln lassen sollte. Kann also sein, dass wir ein bisschen ausholen müssen. Es ist ja so, dass man mit ashtanga beginnt, weil man gesund bleiben möchte oder seine Gesundheit befördern will, vielleicht erfahren möchte, was darin Entspannung bedeutet , und wie wir möglicherweise ein stressfreieres Leben durch dieses System verwirklichen können. All dies sollte weder durch ein Fortschreiten in der 1. Serie, noch durch den Übergang in die 2. Serie gestört werden.
Die Bezeichnung für die 1. Serie, die ja nun auch schon, wenn man sie schließlich ganz übt, recht anspruchsvoll ist, heißt "roga cikitsa". Dies bedeutet "Therapie von Krankheiten". Das muss man sich erstmal "reinziehen". Wir üben also ein Körperarbeitssystem, das auf einer speziellen Atmung, auf der Anwendung von muskulären Kontraktionen und konzentrativen Punkten für den Sehsinn basiert, darauf Körperübungen in ungeahnter Dimension setzt und den Anspruch erhebt, Krankheiten zu heilen. Da kann man sich denken, dass so ein System gut und langsam eingeführt werden muss und mit Verständnis und Zurückhaltung geübt werden sollte, damit das ashtanga System diese Ankündigung auch erfüllen kann. Dies müssen wir durch eine positive und relaxte Wahrnehmung zulassen. Im Kapitel 2,20 der Patanjala Yoga-Sutrani wird auf diese Fähigkeit jedes Menschen hingewiesen: "Der Seher ist reine Ausdehnung des Sehens, dennoch mit Bewusstheit erblickend.." Diese Feinfühligkeit, die unserem Körper freundlich zugewandt ist, gewinnen wir durch die Methode des vinyasa-krama, der Schritt-für-Schritt Methode des ashtanga yoga.